Ausgezeichnet! *
So, da wären wir nun. Nach einem Jahr des sehnsüchtigen Wartens sind wir wieder im Land jener Menschen, die weder Polster (Kissen) noch Kästen (Schränke) oder Stiegen (Treppen) kennen. Wie im letzten Jahr fehlte in unserer Jugendherberge der Polsterüberzug. (Nur fragte man uns beim Nachverlangen nicht: „Was – sie haben kein Bett in ihrem Zimmer?“) Und wie im letzten Jahr nahmen wir unser Abendessen in der Pizzaria ums Eck ein. Faszinierenderweise sah uns der Kellner lange an, holte dann das Bier – mittlerweile hat man dazu gelernt und bietet das hopfige Malzgetränk auch im großen Glas an – und als er wiederkam grinste er fröhlich: „Jetzt hab ich Sie erkennt! Sie sind die von der Messe.“ Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, das man sich auch in so fremden Städten zu Hause fühlen kann. Zufrieden ließen wir bei unserer 26-Zentimeter-Pizza um 4 Euro den Tag nochmals Revue passieren ….
Während es am Flughafen noch so aussah als würde die Reise etwas langweiliger ausfallen als sonst, änderte sich dieses Tagesweltbild schlagartig, als fröhliche Iren mit Gamsbarthüten mit uns ins Flugzeug kletterten. Ohne Verspätung ging es los. Und noch zu Boden begrüßte uns die Stewardess Femke Wischhosen über die Bordsprechanlage und beglückte uns mit den Worten: „Damit sie sich wohl fühlen befinden sich über Ihnen Leselampen und Frischluftdüsen“. Zur zünftigen Jause reichte man uns dann Putensemmeln mit der Beschriftung „Schusterjunge“ (es waren offenbar ziemlich begnadete Truthähne, die hier ihr Leben lassen mussten), ehe es zur Verabschiedung nach knapp einer Stunde Flug „wir wünschen Ihnen einen gegebenenfalls erfolgreichen Aufenthalt“ hieß.
Nachdem ich während des Wartens auf das Aussteigen noch einige Notizen machte wurde ich fälschlicherweise als Flugschreiber betitelt. Doch schnell erkannte man den Irrtum und erlaubte mir doch noch, das Flugzeug zu verlassen. Gemeinsam mit meinem Kollegen Arno Steinwender begaben wir uns dann zum Autoverleih, wo für uns dieses Jahr das Mietauto direkt am Flughafen bereitgehalten wurde. Zur Sicherheit fragten wir noch nach einem Plan von Essen und der Umgebung. Doch einen solchen sollten wir im Auto vorfinden, teilte man uns freundlich mit. Für den Weg zum Auto stiegen wir in den Lift ein, fuhren in den 2. Stock, fuhren ohne auszusteigen wieder hinunter, woher wir kamen, und waren nach wenigen Schritten auch schon bei unserem Fiesta (Falls sie sich fragen warum wir eine Runde mit dem Aufzug gefahren sind: Keine Ahnung. Weil wir wohl so orientierungslos waren wie der Fahrer des Zubringerbusses zum Flugzeug: Er verließ das Terminal nach links, fuhr rund 300 Meter, drehte um, fuhr wieder am Terminal vorbei, weiter bis zum Flugzeug). Am Beifahrersitz des Autos lag auch schon der versprochene Plan bereit. Wir staunten auf wie wenig Platz man eine Gesamtkarte von … Deutschland(!) unterbringen kann. Natürlich erkannten wir auf dem knappen viertel Quadratmeter unsere exakte Anreiseroute zur Jugendherberge, wo wir - erstaunlicher Weise auch ohne uns zu Verfahren – wenig später ankamen.
Und nun löffeln wir zufrieden unser Tiramisu mit 2 Gabeln (überraschenderweise mussten wir hier nicht das gleiche Besteck verwenden, wie es uns bei den Speisen zuvor auferlegt wurde) und blicken zufrieden, satt und fröhlich auf die bevorstehende Messe. Ausgezeichnet!
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