Ach Du lieber Herr Gesangsverein, wie sich doch die Zeiten ändern
Nachdem ich dieses Jahr die ganzen vier Tage im Pressecenter verbracht habe, um die Zeit mit konvertieren, fluchen, überspielen, fluchen, konvertieren, fluchen, zusammenspielen, fluchen, neustarten, fluchen, verschieben, fluchen, neustarten, fluchen verbracht habe, damit wir Euch etwa 15 Videos von der Messe zeigen konnten, fallt mein Blick nebst der Messe, der von so vielen gefordert wurde, leider nur sehr kurz aus.
Zumindest hatte ich aber das Glück überhaupt auf die Messe zu kommen. Denn die Grenzkontrollen zum Spieleland sind strikt und unter 16 darf da keiner rein. Unser jüngster Mitarbeiter – nicht im Alter, sondern in der Tätigkeitsdauer – hat den für Frauen entscheidend positiveren Antimakel des Jüngerwirkens, wesenthalben er trotz Presseausweis nur in das Epizentrum des Spielens vorgelassen wurde, nachdem er seinen Personalausweis beim Eingangsscan vorgewiesen hatte.
Ich hingegen sehe für meine seit Jahren konstant 26 Jahre doch recht alt aus, und das, obschon ich der Relativitätstheorie folgend, dem Navigationsgerät nach jeder Ampel ein „Bitte beachten Sie die Geschwindigkeitsbegrenzung“ entlockte. Dennoch erreichte ich nie jene Geschwindigkeit, um in der Zeit zurück zu reisen.
Aber Gott sei Dank gibt es das Deutsche Radio, das auch alternde Personen darauf hinweist, was das wesentliche im Leben ist. In einem Radiointerview mit dem Berlinale Chef tönte es: „Auf das Atmen muss man achten. Ohne atmen kann man nicht leben. Und das Vergessen manchmal die Leute. Ein- und Ausatmen.“
Darauf habe ich, Gott bin ich zum Dank verpflichtet, noch nicht vergessen. Also dürfte ich doch noch nicht allzu senil sein. Mich auf diesem beruhigenden Gedanken auszuruhen war mir jedoch nicht lange beschienen. Schon prasselte eine Frage auf mich nieder, die eben genannter Jungspund, auf einen Katalog mit Straßenschildern deutend stellte und mir damit mein Alter wieder deutlich vor Augen führte:
„Warum heißen diese Dinge eigentlich E-Mail Schilder? Das frage ich mich jetzt schon seit einigen Tagen.“
„Mein junger Freund“, würde sicherlich irgendeine eine Führungsposition innehabende Figur aus Star Wars sagen – ich selbst leite meine Sätze ja eher mit einem „Heast“ ein. Beide würden wir jedoch den Satz fortsetzen mit: Hierbei handelt es sich nicht um ein E-Mail Schild, sondern um ein Email Schild. Von dem französischen „émail“, was so viel bedeutet wie schmelzen und ein Beschichtung von Metallen oder Glas darstellt.
Und bevor noch weitere Fragen dieser Art kommen sei es vorweg genommen:
„Tablett“ ist nebst dem technischen Ding, dessen einzige Existenzberechtigung darin besteht, mit den Fingern über eine glatte Fläche streichen zu können, auch eine Servierhilfe, mit der mehrere Gegenstände, vorzugsweise Gläser oder Teller, gesammelt transportiert werden können.
Unter einer „Festplatte“ verstand man vor 20 Jahren noch einen herrlich deftigen Schmaus aus Fleisch, Wurst, Käse und Gebäck, serviert auf einem Holzbrett zu feierlichen Angelegenheiten.
Eine ´“Maus“ ist tatsächlich auch ein lebendes Nagetier aus der Familie der Mäuseartigen, wie man auf Wikipedia (das früher, als das Papier noch aus Holz und nicht aus Silikon hergestellt wurde und nur einmalig bedruckt werden konnte, übrigens Brockhaus oder Duden hieß) nachlesen kann.
Als „Speichererweiterung“ bezeichnete man in meiner Kindheit einen bäuerlichen Zubau im Heulager.
Und „Rom“ war übrigens, bevor es zuerst ein Steckspeicher und dann ein Datenträger mit Loch wurde, eine römische Stadt, die 753 Jahre vor Christus aus dem Ei kroch. Und das „Ei“ selbst wiederum war bei den Römern noch gustatorisch genießbar, während es jetzt nur mehr als Pod in den Händen der Jugend liegt und nicht weniger zerbrechlich ist als das Huhnnachwuchsgehäuse.
Und zum Abschluss noch ein Hinweis für jene Deutsche Bevölkerungsgruppe, die „Puzzle“, wie uns mehrfach aufgefallen ist, als – Achtung, ich schreibe in Lautschrift – „Buss(e)l“ ausspricht:
In Bayern und Österreich hat der Satz eine vollkommen andere Bedeutung, wenn Sie folgendes von sich geben, wie wir es auf einem der Messestände vernehmen konnten (Achtung, wieder Lautschrift): „Gebusselt wird am Busselfeld. Da hat man richtigen Busselspaß.“
Na dann – fröhliches Busseln!
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